Masturbation-Mann

Es ist Mittwoch Morgen, Montenegro. Während die meisten Menschen entweder arbeiten, oder das tolle Wetter genießen, versuche ich erneut mein Glück auf der Straße. Hitch Hiking. Ein junger Kerl fährt an mir vorbei und zeigt mir der Mittelfinger. Reizend. Vielleicht hat er nur versucht mich zu warnen. Vielleicht wusste er, was mich bei meinem nächsten Lift erwartet. Vielleicht wusste er von “Masturbation Mann”. Das ist der Name, den ich meinem Lift geben werde. Dem Lift, der mich 5 Minuten später einsammeln wird. 

Aber lasst uns mit der Bosnisch-Kroatischen Grenze beginnen. Es ist Sonntag Morgen, ich kann keine einzige Wolke am Himmel erkennen und ich schwitze. Wie bereits erwähnt, der einfachste Weg um braun zu werden ist Trampen. Die Polizisten an der Grenze durchsuchen meinen Rucksack nicht. Glück gehabt, da ich ehrlich gesagt dabei bin Tabak zu schmuggeln. Der Tabak in Bosnien war so billig, ich konnte nicht widerstehen. Nach einer kleinen 10km Wanderung nimmt mich Dario mit. Ein netter Kerl, der relativ gutes Englisch spricht. Er hat nur diese komische Angewohnheit...kennt ihr das, wenn ihr einem Freund einen guten Witz erzählt und ihm anschließend auf den Oberschenkel schlagt? Genau das macht Dario….aber ungefähr 50 Mal während unserer 1-stündigen Fahrt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man dieses Verhalten vor Gericht als sexuelle Belästigung auslegen könnte, aber ich schätze es war nur eine komische Angewohnheit.

Dario bringt mich nach Dubrovnik. Einem ‘Must see’ – so haben es mir viele Menschen beschrieben. Dario arbeitet als Hausmeister in einem Hotel in der Stadt. 300 Euro pro Übernachtung. Wow, soviel gebe ich momentan schätzungsweise in 1 Monat aus. Als ich im Zentrum der Stadt ankomme, wundert mich der Preis jedoch nicht mehr. “Es kostet 20 Euro um auf die Stadtmauern zu dürfen?” Lächerlich. “Wie bitte? 3 Euro pro Stunde um meinen Rucksack in der Touristen Information abzustellen?” Ich lachte mich tot. An was für einem Ort bin ich hier gelandet. Das British-English, das meine Ohren aus sämtlichen Richtungen vernehmen, macht meine Dubrovnik Erfahrung jedenfalls auch nicht angenehmer. Außerhalb der Stadtmauern wird es jedoch besser. Ich treffe eine Gruppe internationaler Studenten, wir bestaunen den wunderschönen Sonnenuntergang von einem Beton-Strand aus und ich finde den perfekten Platz um mein Zelt aufzuschlagen. Achja, ich hab vergessen zu erwähnen, dass mein Couchsurfing Host für Dubrovnik spontan abgesagt hat. “Sorry, ich bin jetzt in New York” Das ganze war so verrückt, ich habe nicht weiter nachgefragt.

Nehmt euch eine Auszeit Night’s Watch! Ich habe heute Nacht hier oben alles im Griff.

Dubrovnik Camping

Auf dem Bild mag es vielleicht so aussehen, als hätte ich die perfekte Nacht verbracht, habe ich aber nicht. Um 4 Uhr morgens fing es stark an zu stürmen. Ich musste die äußere Schicht meines Zeltes nachts abbauen, um zu verhindert, dass mein Zelt die Klippe herunter geblasen wird. Gott sei Dank wurde es gegen 6 Uhr besser und ich konnte diesen unglaublichen Ausblick genießen, bevor ich eine salzige, aber notwendige Dusche im Meer nahm.

Dubrovnik Ocean

Ich hasse Trampen in Dubrovnik. Es ist so eine wohlhabende und vom Tourismus verseuchte Gegend, sodass jedes zweite Fahrzeug ein Taxi ist. Die andere Hälfte schaut mich an, als ob ich ein ungeduschter, langhaariger Obdachloser wäre….Moment mal.…Wie auch immer. Nach 2 Stunden gönne ich mir einen erstklassigen Tankstellen Kaffee, setze mich auf den Boden und nutze das Free Wifi dazu, mich über Montenegro zu informieren. Kotor hört sich gut an. Irgendwie hab ich an diesem Tag nicht wirklich Lust zu trampen. Daher entschiede ich mich dazu, die verbleibenden 28 Kilometer bis zu Grenze zu laufen. Nach einer Zigarette…

Plötzlich erblicke ich einen alten VW Bus an der Tankstelle. Mit österreichischem Kennzeichen. Meine Chance! Als der Bus vorbei fährt schreie ich auf deutsch. “Hey, wollt ihr einem armen Tramper aus Deutschland helfen?” Der Bus hält an. Die Beiden werden mir helfen. Wir stoppen an einem Strand in Süd Kroatien, nehmen ein Bad im Meer und überqueren die Grenze nach Montenegro. Mein brand neuer Reisepass bekommt seinen ersten Stempel. 48 freie Seiten. Der Polizist stempelt auf Seite 33. Gute Leistung! Das Ehepaar aus Österreich fährt mich bis nach Kotor.

Kotor Montenegro

In Kotor verbrachte ich 3 Nächte in einem Hostel, habe mich von billigem Essen ernährt und habe ziemlich viel gefaulenzt. Die Landschaft um Kotor herum ist wunderschön. Mehr habe ich leider nicht zu erzählen. Wir können also endlich zu “Masturbation Mann” kommen, darauf hast du doch die ganze Zeit schon gewartet, oder?

Kotor Montenegro

Ich verlasse mein Hostel in Kotor um 11 Uhr Morgens. Es ist Zeit für Albanien. Ich bekomme meinen ersten Lift nach 3 Minuten, meinen Zweiten nach 2 Minuten und meinen Dritten nach 5 Minuten. Genauso sollte Trampen sein! Dann hält ‘Masturbation Mann’ an. Genauso sollte Trampen nicht sein!

Er schüttelt meine Hand. Klassischer Start. Er fragt mich ob ich eine Freundin habe. Ganz normale Frage. Er fragt mich ob ich gerne Ficke. Okay, das ist etwas Neues. “Masturbierst du manchmal?” Hmm..ich mag verrückte Gespräche, also antworte ich. “Blowjob?” “Anal Sex?” – Verdammt, wo zur Hölle bin ich hier hineingeraten? Als er sich wiederholt beherzt in den Schritt greift beginne ich zu verstehen. Er wollte gar nicht wissen wie oft ich masturbiere, er will, dass ich Sex mit ihm habe. Zumindest ist er bereit mich dafür zu bezahlen. Ich mache ihm auf eine nette Art klar, dass dies nicht passieren wird….Stille…..“Wie lang ist dein Penis?” Kerl, ernsthaft? Ich antworte einfach nicht mehr. Kurz darauf fährt er rechts ran und verabschiedet mich mit den Worten “Auf Wiedersehen sexy Daniel“. Er lässt es sich auch nicht entgehen, mir beim Aussteigen auf den Hintern zu schlagen. Ich schaue ihn an. Ein verschmitztes Grinsen. Ich weis nicht so recht ob ich lachen, oder böse werden soll. Ich lache.

Ich hatte in meinem Leben bisher ungefähr 200 Lifts. Dies war mein erster, der nach Sex fragte. Selbstverständlich ein Mann. Ehrlich gesagt fühlte ich mich ein wenig erleichtert, als ich sein Auto verlassen konnte, obwohl er nicht versucht hat, mich zu irgendetwas zu zwingen. Während der Fahrt ballte ich meine Fäuste, bereit zuzuschlagen. Glücklicherweise kam es nicht dazu. Ich muss zugeben, als ich mich kurz darauf wieder an die Straße stellte, fühlte ich mich etwas komisch. 10 Minuten später nimmt mich Sula aus Albanien mit. Er bringt mich nach Shkodra. Hier bin ich momentan. In einem Hostel, das von einer wundervollen Familie geleitet wird. Good times! Morgen geht es für mich wieder auf die Straße. Nach Norden zu einem National Park und dann nach Süden zur Hauptstadt. Dort habe ich übrigens wieder einen Couchsurfing Host. Ich hoffe, sie wird nicht in New York sein, wenn ich in Tirana ankomme.

Shkodra

Shkodra

‘Masturbation Mann’ war der erste Lift, bei dem ich darüber nachgedacht habe, Stop zu sagen und einfach das Auto zu verlassen. Warum ich es nicht gemacht habe? Ich weis es nicht. Ich fühlte mich nicht in Gefahr. Ich hab damals vor ungefähr 3 Jahren einen verrückten Mann beim Trampen kennengelernt. Er ist 11 Jahre lang um die Welt getrampt. Ungefähr 250.000 km sagte er. Ich hab ihn nach schlechten Erfahrungen gefragt. Er wurde einmal vergewaltigt.

Ich kam im Gegensatz dazu mit einem kleinen Schrecken davon. Leute fragen mich oft, ob ich jemals schlechte Erfahrungen beim Trampen gemacht habe. Es war zwar nicht wirklich schlecht, aber ich schätze ich werde zukünftig von ‘Masturbation Mann’ erzählen, wenn mir jemand diese Frage stellt. Ob das Ganze meine Meinung zum Trampen geändert hat?

Ich freue mich bereits darauf, morgen wieder an der Straße zu stehen. Laut den Einheimischen ist es unmöglich zu diesem National Park zu trampen. Ich liebe unmöglich. Ich schätze, dies beantwortet die Frage.