Feuerzeug

Ich will dir eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte von einem treuen Reisebegleiter, einem Retter in der Not, eine Geschichte von meinem Feuerzeug

Vor ein paar Monaten habe ich in einem Hostel in Nord-West Albanien übernachtet. Das Hostel, das von der wundervollen italienischen Familie geleitet wurde. Als Abschiedsgeschenk haben sie mir ein Feuerzeug mit auf meine Reise gegeben. Einen Tag später hat mein vorheriges Feuerzeug seinen Dienst quittiert. Gutes Timing. Eine Woche später habe ich Wendi, meinem Host in Tirana, davon erzählt und sie fand Gefallen in der Idee von Feuerzeugen als Abschiedsgeschenk. Sie hat mir ein großes, Apfel-grünes Feuerzeug vermacht und daran eine kleine Bedingung geknüpft. ‘Sobald das Feuerzeug leer ist, musst du mir Bescheid geben’. Klingt fair. 

Ihr giftgrünes Feuerzeug ist durch Albanien, Griechenland, Israel und Jordanien gereist. An meinem ersten Tag in Georgien wird unsere Reise jedoch enden. Ich werde Wendi eine Nachricht senden.

Hitch Hiking von Wadi Musa (Petra) nach Amman started mit einem kleinen Missverständnis. Nach nur 2 Minuten stoppt das erste Auto. ‘Amman?’ ‘Ja, Amman!’ – Ich frage 3 Mal nach um sicherzugehen. Fast zu gut um wahr zu sein. 250km und ein direkter Lift? Gott, ich habe mal wieder Glück. Da der Fahrer erneut kein Englisch spricht, entspanne ich mich und genieße die kühle Luft, die aus der Klimaanlage in mein Gesicht strömt. Als mein Fahrer die Autobahn verlässt und seine Fahrt auf zwielichtigen Schotterpisten fortsetzt, beginne ich zu zweifeln. Es ist mal wieder Zeit für Google Maps. Als sich meine GPS Position aktualisiert realisiere ich, was gerade passiert. Wir sind auf dem Weg nach ‘Ma’an’, eine Stadt 50km östlich von Petra. Verdammt. Es war bereits zu spät um Auszusteigen, ich habe also stattdessen mein Schicksal akzeptiert. Trampe ich halt von Ma’an nach Amman. 

Nach einem langen Fußmarsch in Richtung Autobahnauffahrt suche ich verzweifelt nach einer Toilette. In Wadi Musa habe ich mich bereits wie in einem Zoo gefühlt, Ma’an stellt eine ähnliche Erfahrung dar, jedoch auf Crack. Es ist eine dieser Gegenden, in die sich niemals Touristen verirren. Eine dieser Gegenden, in denen meine Tattoos entweder schockieren, oder große Neugierde erwecken. Wie auch immer, ich werde von den Blicken der Einheimischen gelöchert. Meine Suche nach einer Toilette endet an einer Tankstelle, eine Tankstelle, an der ich außerdem von ein paar Mechanikern auf einen Kaffee eingeladen werde. Eine halbe Stunde später habe ich Selfies mit 10 verschiedenen Personen und außerdem haufenweise neue Facebook Freunde. Scheinbar ist es ‘cool’ mit Leuten aus dem Westen befreundet zu sein. Plötzlich fährt ein weiteres Auto vor. Ölwechsel. Der Fahrer gesellt sich zu uns und bietet mir nach ein paar weiteren Selfies einen Lift nach Amman an. Rückblickend war der Lift nach Ma’an so ziemlich das Beste, was mir passieren konnte. Ein paar neue Freunde, Kaffee und ein Lift nach Amman, ohne überhaupt meinen Daumen auszustrecken. 

Trampen in Jordanien nach Amman

In Amman heißt mich mein neuer Host Khalil Willkommen. Großzügig, gastfreundlich und er ist ein großartiger Koch. Er liebt es sogar, Geschirr zu spülen. Die Erfahrung ähnelt einem Sterne Restaurant. Ich habe keine Ahnung wie er Single sein kann. Es ist eine dieser perfekten Couchsurfing Erfahrungen. Wir unternehmen nicht wirklich viel, stattdessen lungern wir hauptsächlich auf seiner Couch herum, kochen Essen, schauen TV und reden…wir reden viel. Ähnlich wie ich es in Deutschland mit meinen Freunden machen würde. Und dies is genau das, nachdem man sich manchmal sehnt wenn man lange Zeit am Reisen ist.

Am dritten Tag konnte ich mich endlich aufraffen, um die Hauptstadt Jordaniens zu erkunden. Die alte Zitadelle im Stadtzentrum offenbarte einen atemberaubenden Ausblick über Amman. Außerdem warteten ein paar alte Ruinen darauf, besichtigt zu werden. Ein alter Herkules Tempel! Ich lache, da mich das Ganze unweigerlich an die alten, grauenhaften Filme mit Kevin Sorbo erinnert. Achja..Kindheitserinnerungen.

Herkules Tempel Amman Jordanien

Amman Jordanien Aussicht

Okey, zurück zu Khalils Apartment. Sight Seeing ist anstrengend. Besonders mit diesen Temperaturen. 36 Grad. Ehrlich, ich freue mich schon darauf wieder in kühleren Gegenden zu reisen. Die kälteste Temperatur, mit der ich in den letzten 6 Wochen konfrontiert wurde, war 35 Grad. Gott sei Dank hat Khalils Wohnung eine Klimaanlage. Und wie ich bereits sagte, Khalil ist ein fantastischer Koch. Falls du dich übrigens wunderst und dich fragst ‘Hmm..irgendwas ist an den neuen Bildern komisch’ – Ja, ich habe mich rasiert. Unfreiwillig. Ich habe einen Barbier in Wadi Musa besucht, um meinen Bart trimmen zu lassen. Sagen wir es mal so, er hat auf ganzer Linie versagt. Als Khalil mir seinen Rasierer angeboten hatte, musste ich schweren Herzens zustimmen. Nun sehe ich 5 Jahre jünger, sauberer und weniger gefährlich aus. Ich vermisse meinen Bart. 

Amman Jordanien Couchsurfing

Ich habe auch Khalil die Geschichte von meinem Feuerzeug erzählt. Und er hat es Wendi gleich getan. Ein neues Feuerzeug. Glaub es oder glaubt es nicht, einen Tag später hat Wendis Feuerzeug sich verabschiedet. Schicksal oder ein lustiger Zufall? Ich weis es nicht. Wie auch immer, ich habe mein Versprechen gehalten und Wendi ein Bild gesendet. Ein Bild aus Georgien, aus dem Wohnzimmer meines neuen Hosts, ein Bild auf dem wir Bier aus Teetassen trinken.

Couchsurfing Tbilise

Okay, dies ist also das Ende von meinem kleinen Ausflug in den mittleren Osten. Ich bin froh, dass ich mich dazu entschieden habe und bin gleichzeitig traurig, dass ich es nicht nach Iran geschafft habe. Verdammtes Visum. Ich hatte eine wundervolle Zeit, und lasst mich euch Eines mit auf den Weg geben. Israel und Jordanien sind nicht gefährlich. Glaubt nicht alles, was euch in den News präsentiert wird. Falls ihr die Möglichkeit habt, lasst euch den mittleren Osten nicht entgehen. Lernt eine völlig unterschiedliche Kultur kennen und erfahrt Gastfreundlichkeit, wie ihr es noch niemals zuvor erlebt habt.

Also, hier bin ich wieder. Keine Flüge in der nächsten Zeit, stattdessen werde ich 4200 Kilometer zurück nach Deutschland trampen um im Anschluss Skandinavien zu besuchen bevor der Winter einbricht. Winter is coming..verdammt, das Warten auf die nächste GoT Folge ist in der Tat eine Tortur.