House of the rising sun

Es ist Mittwoch Nachmittag in Athen. ‘House of the rising sun’ erklingt aus den Lautsprechern…. Alt-J’s Interpretation dieses Klassikers. Ein dezentes Kratzen begleitet den Song. Ich liebe Schallplattenspieler. ‘Happy happy happy happy fun day’.

Musik ist einer der wenigen Konstanten auf meinem Trip. Für gewöhnlich verbindet man verschiedene Songs mit verschiedenen Momenten. ‘Home‘ erinnert mich daran, am Strand in Italien zu tanzen, ‘Saturn‘ erinnert mich daran, Sterne in Albanien zu beobachten und ‘House of the rising sun‘ wird mich an meinen vorerst letzten Tag in Europa erinnern. 

‘Happy happy happy happy fun day’

Wenn du dir den Song anhörst, wird du feststellen, dass es in Wirklichkeit ein recht trauriger Song ist. Er wird mich außerdem an einen der ersten, traurigen Momente auf meinem Trip erinnern. Ein einsamer Moment im Schatten der ‘rising sun’ 

Meine Reise in Griechenland hat mir einem geschwollenen Auge begonnen. Sie wird mit starken Männerhänden, die meinen Hals würgen, weitergehen. Keine Angst Mama, ich wurde nicht überfallen. Stattdessen war es mal wieder eine typische, einmalige Couchsurfing Erfahrung. Mein Host in Ioannina ist ein Wing Tsjun Lehrer und hat mich zu einer seiner Kurse eingeladen. Ich fühle mich nun bestens auf Süd Amerika vorbereitet. Meine Zeit in Ioannina, einem kleinen, ‘untouristischen’ Ort in Nord Griechenland, war fantastisch. Fantastisch, dank Thomas und seinen Freunden. Außerdem verschaffte dies meinem Auge genug Zeit, um halbwegs abzuheilen. Rechtzeitig zu einem meiner schwierigsten Hitch Hikes. Trampen zu einem Nationalpark und anschließend nach Athen.

Ioannina Wing Tsjun

Mein Tag started wieder einmal mit einer ordentlichen Portion Glück. Ein Photograf, der mich wenige Tage vorher in der Stadt angesprochen hatte, bietet mir einen Lift zur Autobahn an. Dies bedeutet, dass ich die 10 KM nicht zu Fuß laufen muss. In Anbetracht der Temperatur von 40 Grad ist dies ein Angebot, dass ich ohne mit der Wimper zu zucken annehme. Leider verlässt mich darauf hin mein Glück und ich stehe 4 Stunden an der Autobahnauffahrt. 4 Stunden voller erbarmungsloser Sonnenbestrahlung, verwirrt schauenden Autofahrer und Tabak, eingerollt in mit Schweiß befleckten Papern. Um 5 Uhr stoppt eine junge, wunderschöne Dame. Die erste junge Dame, die auf diesem Trip für mich angehalten hat. Griechischer Humor. Sie lässt mich an meiner Autobahnabfahrt aussteigen und ich werde für weitere 15 KM wandern, bis mich schließlich ein zweites Auto mitnimmt. Ich erreiche mein Ziel Kalabaka um halb 10 Abends.

Das Ankommen bei Nacht bringt ein paar Probleme mit sich. Ich suche nach einer Karte und entscheide mich für eine gut ausschauen Campingspot. Zumindest in Theorie. Entweder habe ich Glück, oder ich werde ein Problem haben. Nachdem ich eine weitere Stunde mit meiner Taschenlampe durch den Wald irre, fühle ich mich erleichtert. Ein guter Platz, um sein Zelt aufzuschlagen.

Zelten Meteora Griechenland

Mein zweiter Tag in Meteora ist überwältigend. Überwältigend anstrengend, überwältigend malerisch und überwältigend einsam. Dieser Tag wird mich an meine Grenzen bringen. Dieser Tag wird der erste sein, an dem ich mit 25 Kilo auf meinen Schultern einen Berg besteige.

Als ich an der Straße ankomme, die unzählige Aussichtspunkte miteinander verbindet, treffe ich eine erdrückende Anzahl an Reisebussen an. Ich werde keinen einzigen Backpacker treffen. Ich bin einen Tag zu früh angekommen, ansonsten hätte ich Ole, einen Hitch hiker aus Belgien, getroffen. Woher ich das weis? Nunja, ich werde ihn so stattdessen 3 Tage später in Athen treffen. Ich genieße die Landschaft in vollen Zügen, aber irgendwie nimmt die schiere Anzahl an Touristen Meteora seine Magie.

Meteora Griechenland

Meteora Griechenland

Ich entscheide mich dazu eine weitere Nacht in meinem Zelt zu verbringen, nachdem ich entlang des Weges auf einen perfekten Zeltplatz stoße. Ich kaufe billiges Abendessen in einem Supermarkt, telefoniere mit ein paar Freunden während ich mir ein Bier in einer Bar gönne und mache mich auf den Weg zu meinem Nachtquartier, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Ich werde sprachlos sein, als ich am nächsten Morgen begleitet von der aufgehenden Sonne aufwache. Vielleicht der schönste Spot, an dem ich je übernachtet habe. Deine Reaktion ist höchstwahrscheinlich “Wow, atemberaubend. Ich beneide ihn ein bisschen“, aber lasst mich euch etwas sagen. In diesem Moment habe ich mich nicht annähernd so gut gefühlt, wie du es vielleicht erwarten würdest.

Zelten Meteora Griechenland

Einsamkeit. Meine zweite Nacht in Meteora hat mich daran erinnert, wie sehr ich mir manchmal einen Mitreisenden wünsche, jemanden, mit dem ich diese Augenblicke teilen kann. Wie ich es ziemlich oft sage, es sind die Menschen mit denen man die Momente erlebt, an die man sich erinnert, nicht die Momente selbst. Wenn du persönlich darüber nachdenkst, deine besten Momente, die wichtigsten Momente deines Lebens….warst du alleine? Ich schätze nicht. Dies ist ein Opfer, über das ich mir von Beginn an im Klaren war. Ein Opfer, das mich an diesem Abend eingeholt hat. Ich werde 2 weitere Nächte in meinem Zelt verbringen, bevor ich letztendlich in Athen ankomme. Ich werde tolle Lifts haben und einer dieser wird mich sogar zu einem Strandausflug einladen. Und glaubt mir, nach 3 Tagen ohne Dusche, 3 Tage in der glühenden Hitze…diese Dusche im Meer hat sich wie das Paradies angefühlt. Ich bin mehr als dankbar dafür, dass mich Christos und seine Freunde an diesem Tag mitgenommen haben.

Hitch Hiking Griechenland Trampen

Ich erreiche Athen Montag Mittag. Elias, mein neuer Host, begrüßt mich und einen weiteren Couchsurfer. Ole aus Belgien. Wir haben eine tolle Zeit in Athen. Ich werde meine rote Umhängetasche nähen lassen, ich werde dabei zuschauen, wie Touristen 30€ für die Akropolis bezahlen, werde einem Foo Fighters Konzert außerhalb des Stadions beiwohnen und werde mit 2 Freundinnen von Elias Nacktbaden und anschließend am Strand schlafen. Athen hat mir dabei geholfen, mich besser zu fühlen...dabei geholfen, mich nicht mehr einsam zu fühlen. 

Akropolis Griechenland

Okay, heute ist also mein letzter Tag in Griechenland. Mein vorerst letzter Tag in Europa. Ich höre Alt-J während ich von Elias Balkon aus über Athen schaue. Nicht weil die Aussicht atemberaubend ist, sondern weil mich die Hitze nach draußen treibt.

Happy happy happy happy fun day

Athen Griechenland

Mein Flug nach Israel geht um 23:30. Ein neues Kapitel auf meiner Reise wird anbrechen und ich könnte nicht enthusiastischer sein. Griechenland war toll. Hitch hiking war genauso anspruchsvoll wie erwartet, das Essen war genauso fantastisch wie erwartet und die Landschaft war sogar wesentlich beeindruckender als erwartet. Besonders die Gebirge in Nord-Griechenland. Ehrlich, ich verstehe nicht, warum sich die meisten Deutschen so sehr auf die Inseln fixieren. Griechenland hat so viel mehr zu bieten!

Und dort gibt es außerdem ein ‘house in the rising sun’. Dadurch wird es zwar unerträglich warm, aber du wirst dafür Elias kennen lernen. Und dies wird dazu führen, dass du weitere wundervolle Menschen treffen wirst. Vielen Dank.  

Loneliness… it’s been the ruin of many a poor soul. Und sie hat mich erkennen lassen, dass ich keiner dieser einsamen Reisenden sein will. Keiner dieser Personen, die ihr ganzes Leben lang am Reisen sind. Ich genieße meine derzeitige Reise in vollen Zügen und habe meine Entscheidung bisher zu keiner Zeit angezweifelt. Aber ich freue mich bereits darauf, mich eines Tages niederzulassen. Zusammen mit jemandem, mit dem ich alle weiteren Momente teilen werden kann. 

Ich will außerdem etwas berichtigen. Der Song ‘Home’ erinnert mich daran, mit Alice am Strand zu tanzen. ‘Saturn’ erinnert mich daran, mit Charlotte die Sterne zu beobachten. ‘House of the rising sun’ erinnert mich an meine Zeit mit Elias und das Schlafen am Strand mit Natalia und Marisia.