33 Stunden

0 Stunden

Mein Tag startet um 8 Uhr Morgens. Nicht etwa weil ich ein Morgenmensch bin oder das Beste auf meinem Tag machen will. Nein, schlicht und einfach wegen der Hitze. Die kochende Hitze von Athen. Ich verabschiede mich von Elias ohne zu ahnen, dass dies einer der längsten Tage meines Lebens werden wird.

4 Stunden

Da ich ein Gentleman bin, würde ich selbstverständlich niemals aus Athen verschwinden, ohne vorher den beiden Nacktbaden-Mädchen auf Wiedersehen zu sagen. Außerdem schuldeten mir die Beiden noch Geld, aber das war nicht der Hauptgrund. Ich schwöre.

10 Stunden

Ich sitze am Flughafen in Athen. Mc Donalds. Zu meiner rechten ein leerer Kaffeebecher, zu meiner linken in Fett getränkte Verpackungen. Es scheint, als hätte hier jemand ein Festmal gehalten. Es scheint, als hätte jemand nicht in Erwägung gezogen, seinen Müll zum Abfalleimer zu bringen. Mann..wie ich diese Personen hasse. Während ich an meinem neuen Blogeintrag schreibe, bekomme ich unzählige Nachrichten von alten Bekannten. An diesem Donnerstag Morgen hat eine Zeitung in Deutschland über mich berichtet und dies hat dazu geführt, dass ich und meine Familie großes Feedback bekommen haben. Ein derartiges Feedback erfüllt mich mit Stolz und seid euch gewiss, dass ich dies sehr zu schätzen weis. Außerdem finde ich es herrlich, dass es mein Strand-Foto in eine Zeitung geschafft hat. Das Foto, dass eine Morgenlatte vermuten lässt. Nein, es ist nur meine Hand aber hey, wer kann das schon von sich behaupten?

Zeitung Daniel Dakuna

18 Stunden

Mein Flugzeug landet um 2 Uhr Morgens in Tel Aviv. “Was machen sie beruflich?” fragt die Dame am Immigration-Schalter mit einer bestimmenden Stimme. Ich schätze, ich sollte das nächste Mal der Einfachheit halber lügen. Ich habe trotzdem meinen Stempel bekommen. Wobei..ehrlich gesagt wird mein Reisepass nicht gestempelt, sondern ich bekomme einen kleinen Zettel samt Visum ausgehändigt. Warum? Nunja, in diesen Teilen der Welt verursachen Stempel im Reisepass sehr oft Probleme. Ich könnte beispielsweise nicht ohne Weiteres in den Iran einreisen, falls mein Reisepass einen israelischen Stempel beinhalten würde. Vor meiner Reise war mir nicht bewusst, dass diese Problematik überhaupt existiert.

22 Stunden

Es stellt sich heraus, dass der Flughafen in Tel Aviv nicht ansatzweise so modern ist, wie man es sich vorstellen würde. Ich sitze um 6 Uhr Morgens in der Ankunftshalle und kontaktiere meinen Host. Er entscheidet sich dazu, mich in der letzten Minute abzuservieren. Das billigste Hostel würde mich 30€ für eine Nacht kosten. Ich denke nicht einmal daran. Stattdessen schreibe ich eine Anfrage, sowohl in eine Last Minute Couchsurfing Gruppe, als auch in eine Reisegruppe auf Facebook. Keine Antwort. Aber okay, es ist 6 Uhr Morgens. Die meisten Menschen werden wohl noch schlafen.

26 Stunden

Ich nehme einen Zug zum Stadtzentrum. Mir wurde am Flughafen dann doch irgendwann langweilig. Und ich bin fast eingeschlafen. Ich brauche Bewegung. Mein Plan ist es, durch die Stadt zu laufen und gegen Mittag nach Wifi zu suchen. Mein Notfall-Plan? Ich werde mein Zelt in einem Stadtpark aufschlagen und darauf hoffen, dass die israelischen Polizisten freundlich gegenüber Touristen sind. Es ist heiß in Tel Aviv. 38 Grad. Zu heiß um mit einem schweren Rucksack durch die Straßen zu laufen. Aber ich habe nicht wirklich eine Wahl. Ich laufe Richtung Meer, um mich von der Ozean-Briese abkühlen zu lassen.

Tel Aviv Strand

30 Stunden

Ein Mädchen drückt mir auf der Straße einen Kaffee Gutschein in die Hand. Und ich kann einen ‘Free Coffee’ definitiv gebrauchen, nachdem mich die Preise in einem lokalen Supermarkt in einen Schockzustand versetzt haben. Es ist teuer. Teurer, als ich es mir jemals vorgestellt hätte. Als ich mein Handy mit dem Wifi des Cafes verbinde, werde ich überwältigt. Eine Freundin aus Jerusalem hat einen Host für mich gefunden, 2 Leute haben auf meine Facebook Anfrage geantwortet und 2 Weitere haben sich über Couchsurfing bei mir gemeldet. Ich hätte niemals mit soviel Großzügigkeit gerechnet. Als ich vor ein paar Stunden in Tel Aviv ankam, hatte ich nichts. Nun habe ich 5 Wohnungen, in denen ich Aufschlagen könnte. Ich werde bei Nadav übernachten. Ein 7 km Fußmarsch von meinem Cafe. Auf Grund meines Schlafmangels und der Temperatur ist der Weg zu meinem Nachtquartier überdurchschnittlich anstrengend, dafür fühlt sich die anschließende Dusche jedoch umso besser an.

33 Stunden

Nadav macht sich auf den Weg ins Fitnessstudio. Und ich mache mich auf den Weg ins Bett. Was ein Tag. Ich bin geflogen, viel gewandert, habe viel geschwitzt, habe einen kostenlosen Kaffee bekommen, habe minderwertiges Toastbrot für 2 Euro gekauft und habe schließlich einen Host gefunden. Ich hätte mir zwar einen erholsameren ersten Tag in Israel gewünscht, aber ich habe keinen Grund mich zu beschweren. 5 verdammte Couch Angebote. Unglaublich!

Ich verbringe 2 Nächte bei Nadav und werde im Anschluss von Roman beherbergt. Er hat meine Last-Minute Anfrage über Couchsurfing angenommen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Roman mein Seelenverwandter ist, da unsere Meinungen oft identisch sind. Außerdem haben wir beide einen schlechten Sinn für Humor. Zusätzlich zu mir hat Roman einen weiteren Cocuhsurfer gehostet. Claudia aus der Schweiz. Ich kann langsam fühlen, dass mein Deutsch schlechter wird.

Tel Aviv Strand

Tel Aviv Street Food

Tel Aviv wirkt wie ein Mix aus verschiedenen Städten. Die vielen Grünflächen erinnern mich an Singapur, die Strandpromenade erinnert mich an Miami und die Anzahl an kleinen Geschäften und Märkten erinnert mich an Bangkok. Ich habe das Gefühl Tel Aviv versucht eine exquisite und ausgefallene Stadt zu sein. Aber scheitert kläglich. Die Skyline ist im Vergleich zu anderen Städten recht ‘hässlich’, die Preise sind unglaublich hoch und der Klang der ‘Strand-Tennis’ Schläger macht Entspannen am Strand nahezu unmöglich. Es hört sich nach afrikanischer Straßenmusik an, sehr monotoner afrikanischer Straßenmusik. Obwohl mein Aufenthalt in Tel Aviv nach der Absage meines Hosts recht chaotisch war, habe ich ihn sehr genossen. Wieder einmal dank Couchsurfing. Und ich werde die ‘Tel Aviv Großzügigkeit’ nicht vergessen...5 verdammte Couch Angebote....Ich verlasse Tel Aviv Donnerstag Morgen.

Couchsurfing Tel Aviv

Das erste Mal Trampen in Israel verläuft kinderleicht. Nach 5 Minuten an der Autobahnauffahrt sitze ich in einem Auto nach Jerusalem. Jerusalem bedeutet auch das erste Wiedersehen auf diesem Trip. Ich werde bei Inbal schlafen, ein Mädchen, das ich vor 2 Jahren in Myanmar kennengelernt habe. Sie und ihre Mitbewohner lassen mich bis nächsten Montag auf ihrer Couch campieren. Nachdem Tel Aviv als Stadt eher eine Enttäuschung war, macht Jerusalem dies mit Leichtigkeit wett. Jerusalem könnte die interessanteste Stadt sein, die ich jemals gesehen habe.

Tempelberg Altstadt Jerusalem

Das Zusammentreffen 4 verschiedener Religionen macht Jerusalem gleichermaßen interessant und unheimlich. Es zeigt mir auch auf, was Religion aus Menschen machen kann. Mein jüdischer Host weigert sich, bestimmte Ecken in der Altstadt zu betreten, da sie sich dort nicht sicher fühlt. Die Straßen sind gefüllt mit Polizisten. Die Situation ist nach den Angriffen letzten Freitag, bei denen 3 Polizisten getötet wurden, immer noch angespannt. Die neuen Sicherheitschecks stoßen bei den Arabern auf Unmut, was wiederum zu Ausschreitungen führt. Gestern habe ich eine dieser bezeugen können. Tränengas und eine angedeutete Massenpanik, die sich glücklicherweise schnell aufgelöst hatte. Im Laufe des gestrigen Tages sterben 2 arabische Demonstranten. Eine intensive und angespannte Situation. Als ich durch die Straßen der Altstadt schlendere, begleitet von einem leicht mulmigen Gefühl, bin ich das erste Mal froh, ‘nur‘ ein Tourist zu sein.

Jerusalem Stadt Ausblick

Jerusalem hat mir gegeben, wonach ich gesucht hatte. Etwas neues…etwas, das ich so noch nie erlebt habe. In Sarajevo haben verschiedene Religionen zusammen gelebt, aber es war nicht annähernd so intensiv wie in Jerusalem. Viele Gebiete haben Restriktionen für Einwohner, mit einer bestimmten Religion. Auch die Altstadt ist strikt unterteilt. Nicht durch Barrieren, sondern durch Religionen. Es gibt 4 verschiedene Teilbereiche. Ein muslimischer, ein armenischer, ein christlicher und ein jüdischer Bereich. Man fühlt den Unterschied. Nicht nur die Architektur, sondern die gesamte Atmosphäre samt der Menschen, welche die engen Gassen mit Leben füllen. Es fühlt sich so an, als würde man binnen einer Stunde 4 verschiedene Länder durchqueren.

Ich habe mich für den mittleren Osten entschieden, um etwas Unbekanntes zu erleben. Und das habe ich. Es fällt mir immer noch schwer, das gesamte Konstrukt der verschiedenen Religionen und ihre Beweggründe zu verstehen, aber ich bin froh, dass ich mich für Israel entschieden habe. Am Montag werde ich 320 km nach Süden trampen. Ich werde von dort aus nach Jordanien übersetzen. Das einzige, dass mich und die Grenzkontrolle trennt, ist die Israelische Wüste. Hat hier jemand Abenteuer gesagt?