Mein letzter Abschied – Danke

Regenartige, sich stürmisch bewegende Wassertropfen, die mir ins Gesicht peitschen, eine Nacht am Hafen, umgeben von freundlichen Obdachlosen, Einheimische, die sich wegen mir gegenseitig ihre Fäuste entgegenwerfen. Eigentlich hätte ich wieder genügend Geschichten zu erzählen. Stattdessen will ich euch in diesem Blogbeitrag eine meiner Entscheidungen erläutern und euch gleichzeitig die Möglichkeit geben, gebürtig Abschied zu nehmen. Eine Möglichkeit, die ich nicht immer hatte. 

Lasst mich euch zunächst jedoch von 2 besonderen Menschen erzählen. Ivor und Festo. 2 Männer aus unterschiedlichen Ländern. 2 Männer, die von der Existenz des jeweils Anderen nichts wissen. 2 Männer, deren soziales Engagement mich zutiefst bewegt hat. Eine Gemeinsamkeit, die mich im Hinblick auf meine und unsere Zukunft optimistisch stimmt.

Ivor aus Livingstone, in Sambia, wird an dem Wochenende meines Aufenthaltes seinen 30ten Geburtstag feiern. Seine Jugend hat er in einer Kupfermine verbracht, eine Arbeitsstelle, in die er hinein geboren wurde. Vor 3 Jahren hatte er sich dazu entschieden, diesen Job aufzugeben und stattdessen die Welt positiv zu verändern. Er und seine Freundin hatten daraufhin begonnen, in einer Schule zu arbeiten. Eine Schule, die Kinder umsonst unterrichtet hat. Leider nur solange, bis sich die Regierung dazu entschied, die Schule zu übernehmen und Geld zu verlangen. “Wenn die Eltern kein Geld haben, sollen sie eben mit Rohstoffen oder Gütern bezahlen”, lautete das Statement. Heute leben Ivor und seine Freundin Sali in einer kleinen Wohnung außerhalb der Stadt und unterrichten jeden morgen eine Gruppe von ungefähr 15 Kindern. Ohne die Beiden, würden diese zwischen 5 und 14 Jahren alten Kinder keine Chance auf Bildung haben. Ich frage das älteste Mädchen nach ihrem Traum. Ärztin will sie werden.

An Ivors Geburtstag sitzen wir Abends in einer der lokalen Bars. Die Mutter eines der Kinder nimmt neben mir Platz, greift gelegentlich nach meiner Bierflasche und versucht mich zu überreden, sie nach Hause zu bringen. Statt ihre Kinder zur Schule zu schicken, ertrinkt sie ihren Kummer und ihre Einsamkeit jeden Abend in Alkohol, erklärt Ivor. “Meine Kinder brauchen keine Schule”. Ein paar Tage später, als ich in Tansania angekommen bin, habe ich erneut mit Ivor geschrieben. Der Vermieter hat sich gemeldet und besteht darauf, dass die Kinder nicht weiterhin in der Wohnung unterrichtet werden. Momentan sind Ivor und Sile auf der Suche nach einer neuen Räumlichkeit.

“Macht dir keine Sorgen, wir werden etwas finden”, beruhigt er mich. “Hast du die Entscheidung, deinen damals gut bezahlten Job zu kündigen und stattdessen ehrenamtlich zu arbeiten jemals bereut”, frage ich Ivor, als wir nachts alleine vor seinem Haus sitzen. Ivor überlebt von Spenden und Reisenden, die gewillt sind zu helfen. Ivor lächelt mich an und antwortet überzeugt: “Nein”. Eine Antwort, die ich beim Anblick der strahlenden Augen am nächsten Morgen nur zu gut nachvollziehen kann.

Kinder in Livingstone Sambia

Kinder in Livingstone Sambia

Festo, ein 38 jähriger Mann, der mit seiner Familie in Mbeye, Tansania lebt, engagiert sich in einer ehrenamtlichen Organisation Namens Elimisha. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, einem abgelegenen Dorf, in dem mehrere Tausend Menschen leben, zu helfen. Durch Bildung, Güter und medizinische Versorgung. Ein Dorf, das ich wegen meiner mittlerweile limitierten Zeit leider nicht besuchen konnte. Eine lange Fotostrecke dokumentiert den Fortschritt des Dorfes und zeigt die Einheimischen mit Kleidung, die aus aller Welt gespendet wurde.

Wie Festo seine 5 köpfige Familie ernährt? Er arbeitet nebenbei mit Videobearbeitung und versucht Dokumentationen an Nachrichtensender zu verkaufen. Ich helfe ihm dabei, eine dieser Dokumentationen zu schneiden. Mein Hobby ermöglicht mir, Festo einige Tips zu geben, die seine zukünftigen Werke wesentlich professioneller erscheinen lassen werden. Die derzeitige Dokumentation handelt von einer Schule in einem der Dörfer, in der es keine Wasserversorgung gibt.

Mbeya Tansania

Mbeya Tansania

Ich habe vor fast genau 1 Jahr damit angefangen, in diesem Blog von meinen Erlebnissen, meinen Eindrücken und meinen Gefühlen zu berichten. Mein Ziel war es, etwas zu verändern. Ich wollte aufzeigen, wie fantastisch Menschen sein können – völlig unabhängig von ihrer Herkunft. Ich kann mich nur wiederholen. Unsere heutige Welt ist mitnichten schlecht oder gar verloren. Sie ist voller Schönheit und Menschen, die mir auf meiner Reise Hoffnung gegeben haben. Hoffnung, dass ich selbst einmal meinen eigenen Teil beitragen kann und werde.

An dieser Stelle will ich auch darauf aufmerksam machen, dass ich gerne Spenden (egal ob Geld oder Kleider) für Ivor und Festo entgegennehme. Spenden, die für die beiden Männer einen bedeutenden Unterschied machen. Spenden, die den beiden auch zukünftig ermöglichen werden, ihrer Arbeit nachzugehen. Selbstverständlich werde ich Kontakt halten und euch weiterhin auf dem Laufenden halten, wie sich ihre Projekte entwickeln. Wie ihr mit mir in Kontakt treten könnt? Gerne einfach per Facebook, Instagramm oder per E-Mail: danielklesen@gmx.de

Danke.

Danke, nicht nur im Namen der Beiden, Danke auch von mir. Danke, dass ihr mir auf meiner Reise gefolgt seid. Ich hoffe, ich konnte meine Versprechen, die ich in meinem damals ersten Beitrag gegeben hatte, einhalten. Geschichten über Trauer, Liebe und Glück. Geschichten, die zu Tränen gerührt haben, Geschichten zu denen Tränen gelacht wurden. Geschichten über Hilfsbereitschaft, Vertrauen und Hoffnung. Der Anfang meines zukünftigen Lebens.

Ihr ahnt es wahrscheinlich an dieser Stelle bereits. Dies wird mein letzter Blogeintrag sein. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, an dem das Projekt zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Besonders in Ländern, in denen Internet ein Luxusgut ist. An manchen stellen hat sich das Ganze sogar fast wie eine Pflicht angefühlt. Ein Punkt, an dem ich leider einen Schluss-Strich ziehen muss. Stattdessen werde ich mich einem meiner Träume widmen. Ich werde langsam damit beginnen, mein eigenes Buch zu schreiben. Also keine Angst – eines Tages werdet ihr all die kommenden Geschichten irgendwo an einem gemütlichen Ort, gedruckt auf Papier, nachverfolgen können. Bis dahin werde ich öfters kleine Updates auf Facebook geben und versuchen sämtliche Bilder auf Instagram hochzuladen. Falls ihr Abstand von diesen modernen Medien nehmen wollt, stellt sicher, dass ihr meinen Newsletter abonniert habt. Ich werde ab und an Rundmails mit dem momentanen Stand versenden, euch wissen lassen, sobald mein Buch veröffentlicht wird und euch selbstverständlich in meine Strandbar einladen.

Ein weiterer Abschied. Mein Abschied von euch. Vorerst. Ich werde am 18ten April nach Hause fliegen, um mich für eine Zeit lang meinem Privatleben zu widmen. Falls alles nach Plan läuft, werde ich mich Anfang Juli wieder an die Straße stellen. Nächstes Ziel: Mongolei. Mein letztes Ziel, bevor ich mein finales Kapitel in Angriff nehmen werde. Kanada nach Chile.

Passt auf euch auf, schaut nicht zu viel TV und ignoriert keine Gestalten, die am Straßenrand ihren Daumen in Richtung Firmament strecken.

Ihr habt mir stolz gemacht – Ich Danke euch. Und haltet eure Augen auf. Vielleicht seht ihr mich irgendwann einmal an der Straße stehen. Ihr wisst ja, die Welt ist klein…

Daniel Dakuna

Trampen in Albanien