Wünsch dir was

Ich richte meine Augen in Richtung des Sommerhimmels. Die Sterne hüllen den schwarzen Himmel in ein beeindruckendes Gemälde. Eine Sternschnuppe durchbricht die Dunkelheit und macht für eine Sekunde lang die Nacht zum Tag.

Ich wünsche mir etwas.

Trampen in Jordanien startet mit einem großen Knall. Ich lande in einem Auto mit 4 jungen Einheimischen. Sie reden kein Wort englisch, aber sie amüsieren sich augenscheinlich über meine Begleitung. Ich muss ihr erster Tramper sein. Wir bewegen uns auf der jordanischen Autobahn mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von gefühlt 20 km/h. Nicht weil die Straßen schlecht sind, sondern weil der Fahrer dauerhaft mit seinem Handy am filmen ist. ‘Get down for what’ kracht aus den Autolautsprechern in einer Qualität, die man sonst nur von uralten Kassettenrekordern kennt. Sie fordern mich auf zu tanzen und filmen das ganze Spektakel. Es würde mich nicht wundern, wenn man mich mittlerweile auf Youtube finden könnte. ‘Tätowierter Deutscher tanzt zu Lil Jon‘ – So stelle ich es mir zumindest vor. Ich kapituliere und der Google Übersetzer tut es mir gleich. Scheinbar ist er nicht zur Übersetzung arabischer Sprachen programmiert worden. Nach einer halben Stunde endet unsere Fahrt, als wir eine Polizeikontrolle passieren.

Die Polizei will etwas von mir, aber ich kann nicht herausfinden, was genau es ist. Ich gebe dem Google Übersetzer eine zweite Chance. ‘Ich wünsche gutes Schicksal und hab Kekse’ Nunja, ich bin mir sicher, dass dies nicht das Thema unserer Unterhaltung ist. Die Polizei fordert mich dazu auf, das Fahrzeug zu verlassen, ich lifte meinen Rucksack aus dem Kofferraum und schaue dabei zu, wie mein vorheriges Fahrzeug seinen Weg fortsetzt. Ich hingegen soll warten, warten auf ‘Ich habe absolut keine Ahnung’. 20 Minuten später werde ich es jedoch verstehen. Die Polizisten halten Touristen-Busse an und fragen diese, ob ich mitfahren kann. Es funktioniert und ich werde in Begleitung von 10 Amerikanischen Reisenden nach Petra gebracht. Ein erstklassiger Lift, der mich direkt zu meinem neuen Host bringt.

Abdallah, das ist der Name meines neuen Couchsurfing Hosts. Ich hatte auf seinem Profil gelesen, dass er ein Hotel besitzt. Ich hatte ein gemütliches Gasthaus mit einem kleinen Raum für mich erwartet. Ich hab fasch gelegen. Es stellt sich heraus, dass Abdallah tatsächlich ein riesiges Hotel besitzt. Ich bekomme einen Willkommens-Kaffee, meinen eigenen Zimmerschlüssel, mein privates Badezimmer, einen Raum mit Klimaanlage und ein riesiges, gemütliches Bett. Genau das, was ich nach 3 Monaten auf der Straße gebraucht habe.

Candles Hotel Jordanien Petra

Soweit so gut, weiter geht es mit dem klassischen Touristen Programm: Petra erkunden! Der Eintritt für 2 Tage kostet 70 Euro. Mir klappt die Kinnlade herunter. Aber hey, an Petra führt kein Weg vorbei. Ich würde mir niemals verzeihen, wenn ich mir eines der 7 Weltwunder entgehen lassen würde. Und ich versichere euch, Petra war jeden Cent wert. Die alten Stadtruinen haben ihren eigenen Charme, die Einheimischen könnten glatt einem Fluch der Karibik Film entsprungen sein und die Landschaft ist atemberaubend. Ich verbringe 2 Tage in Petra, 2 Tage, in denen ich viele Beduinen treffe, 2 Tage, die meine Kinnlade erneut fallen lassen, 2 Tage, die meine Beine so müde wie nie zuvor machen.

Petra Jordanien

Petra Jordanien

Petra Jordanien

Neben Petra hat die Stadt selbst für die meisten Touristen nicht viel zu bieten. Wie gesagt, für die meisten Touristen… Ich genieße es, durch die Straßen zu schlendern und die Atmosphäre der Stadt in mich einzusagen. Stellenweise komme ich mir mit meinen Armen wie eine Touristenattraktion für die Einheimischen vor. Tee, Zigaretten und Menschen, die meine Arme begrapschen, sind das Resultat.

Wadi Musa Jordanien

Nach 3 Nächten in meinem privaten Apartment habe ich meinen Host gewechselt und hierdurch die Stadt auf eine gänzlich unterschiedliche Art und Weise kennengelernt. Ramzi und sein Freund Sinpel haben hierfür Sorge getragen. Wir haben eine Nacht in der Wüste geschlafen, lokales Essen zubereitet während mich die beiden mit arabischer Musik gefoltert haben und wir haben versucht, Touristen dazu zu überreden, sich unseren täglichen Nachtausflügen anzuschließen. Ein Tätowierter und 2 Araber die dazu einladen, eine Nacht in der Wüste zu verbringen. Ja, das Ganze war in der Tat sehr zwielichtig. Trotzdem konnten wir eine Deutsche, 2 Engländer und ein paar Holländer überreden. Gemeinsam mit ein paar weiteren Jordaniern hatten wir sowas wie eine kleine Party in der Wüste.

Wadi Musa Camping

Wadi Musa Camping

Ich werde diese beiden Nächte nicht vergessen, 2 Nächte unter einem Sternenhimmel, wie ich ihn bisher sehr selten gesehen habe. Als ich die erste Sternschnuppe sehe, wünsche ich mir was. Dies ist mir beim Reisen bisher 3 mal passiert und meine Wünsche haben sich bisher immer erfüllt. Ich hoffe, dies wird dieses Mal nicht anders sein.

Ich kann nicht glauben, was ich in dieser Nacht bezeugen werde. Ich sehe mindestens 10 weitere Sternschnuppen. Die Szene erinnerte mich an den Anfang von ‘Armageddon‘, glücklicherweise wird in dieser Nacht aber kein Eiffelturm zerstört werden. Ich habe noch nie etwas derartiges gesehen. Irgendwann sind mir sogar die Wünsche ausgegangen. Es sind diese Momente, die mich nostalgisch werden lassen. In diesen Momenten blicke ich zurück auf das, was ich in den letzten 3 Monaten erlebt habe. Dies ist mein 20ter Blogeintrag und manchmal erwische ich mich dabei, wie ich durch meine alten Beiträge scrolle…und es fällt mir schwer zu glauben, was bereits alles passiert ist. 

Ich habe ein Zitat von Robin Williams auf meinem Arm tätowiert. ‘Make your life spectacular. I know I did’ – Ich glaube ich bin auf einem guten Weg. Ich wünsche mir etwas. Ich wünsche mir, dass der Rest meiner Reise genauso atemberaubend, genauso verrückt und genauso vollgepackt mit wundervollen Menschen sein wird, wie sie es in den vergangenen 3 Monaten war.

Ich werde demnächst nach Europa zurückfliegen und mich dann auf den Weg in Richtung Deutschland machen. Leute, macht euch langsam bereit. Ich komme bald auf einen kleinen Zwischenstopp nach Hause!